Hauptschulprojekt zieht Kreise

Haiger, 15.04.2011.
Das Haigerer Hauptschulprojekt zieht immer weitere Kreise. Zahlreiche Handwerker aus der Region unterstützen die Teenager der Johann-Textor-Schule und bereiten diese auf ihren Start ins Berufsleben vor. Zahlreiche Kinder schafften so den Sprung von der Schule direkt in den Job – eines der Ziele des vor rund drei Jahren gestarteten Projekts.

Motiviert zum Einsatz: Der Holz- und der Malerkurs der Haigerer Johann-Textor-Schule mit Lehrer Jochen Gersdorf (links), Marktleiter Arne Andresen (hintere Reihe 5.v.r.), seinem Stellvertreter James Müller (6.v.r.), Kursleitern undMalermeister Rainer Buhl (6.v.l.). Jetzt hat sich neben Handwerkern und kleineren Firmen auch der OBI-Baumarkt in das Projekt eingeklinkt und eine längerfristige Zusammenarbeit mit der Schule vereinbart, die für beide Seiten Vorteile bringen soll. "Diese Kooperation ist ein toller weiterer Schritt", freuen sich die beiden Hauptschullehrer Sascha Großer und Alexander Schüler, die das neue Modell ins Leben gerufen hatten. Sie arbeiten eng mit heimischen Betrieben und fachlich versierten ehrenamtlichen Helfern in unterschiedlichen Bereichen – Hoch- und Tiefbau, Elektronik, Holzverarbeitung, Anstreicher – zusammen.

Die Idee zur Kooperationmit dem Baumarkt OBI hatte Malermeister Rainer Buhl vom gleichnamigen Malerbetrieb aus Sechshelden. Er engagiert sich schon seit Beginn dieses Projekts an der Schule und leitet den dortigen Malerkurs. Hierbei fielen ihm diverse Mängel am Hauptschulgebäudes auf. "Das Schulgebäude ist in einem erbärmlichen Zustand. Die Klassenräume haben eine Renovierung dringend nötig", erklärt der selbstständige Malermeister. Da er ohnehin beruflichen Kontakt zum Baumarkt hatte, nutzte er diesen, um Marktleiter Arne Andresen und seinen Stellvertreter James Müller ein Angebot zu unterbreiten. Dieses basiert auf dem Grundsatz "Eine Hand wäscht die andere". Die Kursteilnehmer werden nun die Gartenhäuschen der OBI-Ausstellung anstreichen, die dringend eine neue Lasur benötigen. Diese Arbeit soll natürlich nicht kostenlos erledigt werden. Die Schule erhält dafür eine Entlohnung in Naturalien, genauer gesagt in Farbeimern. Damit soll dann anschließend das Hauptschulgebäude auf Vordermann gebracht werden.

Ihren Teil des Vertrags erfüllten die Textor-Schüler in dieser Woche. Zum Glück herrschte genau das richtige Wetter für diese Außenarbeiten. Unterstützt wurde der Malerkurs, dem auch Hans-Jürgen Henkel aus Gießen ehrenamtlich zur Seite steht, vom Holzkurs der Schule. Dessen Kursleiter Fatih Karadeniz, ein ehemaliger JTS-Schüler, arbeitet heute als Zimmermeister bei der Firma System-Holz im Friedberger Raum. Die Firma stellt ihren Mitarbeiter eigens für dieses Schulprojekt einmal in der Woche frei. Insgesamt 16 Schüler legten sich auf dem OBI-Gelände ins Zeug. Nach der Säuberung der HolzfaEin Schüler leistet die Vorarbeiten für den neuen Anstrichssaden wurde deren Oberfläche angeraut, bevor die Lasur aufgebracht werden konnte. Maximal sechs Häuschen können die Teenies an einem Tag bearbeiten. Sicher wird es noch einen zweiten "Außentermin" der Schüler geben. Dafür erhalten sie vom Baumarkt Material im Wert von weit über 1000 Euro. Mit den Farben können die Schüler ihre Klassenräume aufpeppen, bevor die Prüfungen und Schulentlassungen anstehen.

Die meisten der 16 Mädchen und Jungen besuchen im Anschluss an ihre Zeit an der Johann-Textor Schule eine weiterführende Schule. Viele wollen die Mittlere Reife erlangen, bevor sie sich bewerben. Nur einer der Jugendlichen hat bereits einen Ausbildungsplatz sicher. Pascal Becker aus Haiger-Seelbach wird im Sommer eine Dachdeckerlehre beginnen und profitierte von seinen praktischen Fähigkeiten. "Nach nur drei Tagen des drei- wöchigen Schulpraktikums, das ich in dieser Firma gemacht habe, kam schon das Ausbildungsangebot", freut sich Pascal. Pauline Schmidt aus Oberroßbach hat noch Chancen auf die Zusage eines Malerbetriebs.

"So haben wir uns unser Hauptschulprojekt vorgestellt", meint Alexander Schüler. Ihm und seinem Kollegen Großer war aufgefallen, dass im Sommer 2008 nur acht der verabschiedeten 54 Schüler direkt nach ihrem Abschluss eine Lehrstelle bekommen hatten. Die Zusammenarbeit mit Handwerkern und Firmen sollte beiden Seiten Erfolge bringen. Schüler: "Wir wollen eine Win-Win-Situation für Jugendliche und Firmen schaffen. Von Hauptschülern mit soliden Vorkenntnissen und Praxiserfahrung profitieren letztlich auch die Betriebe, weil sie qualifizierte Azubis bekommen." Mit dem OBI-Markt wurde eine längerfristige Zusammenarbeit vereinbart. Das nächste Projekt ist bereits geplant. Der Baumarkt will dem Kindergarten in der Klingelwiese ein Kin- derspielhaus spenden, das vom Holzkurs der Textor-Schule aufgebaut werden soll. "Hierbei lernen die Schüler erstmals modulare Systeme kennen. Die Kindergartenkinder erhalten ihr Spielhaus, und für die Schüler besteht ein Lerneffekt", freut sich Schüler. Er sieht in der Kooperation ein weiteres Beispiel dafür, "wie durch innovative Ideen Einzelner dafür gesorgt wird, dass es den Haigerer Kindern gut geht".

Rund 40 Firmen und Betriebe arbeiten bereits beim Hauptschulprojekt mit. Weitere Personen, die sich mit ihren Fachkenntnissen ehrenamtlich für vier Stunden in der Woche zur Verfügung stellen, werden gesucht. Ansprechpartner ist Alexander Schüler (Tel. Textorschule 02773/73054).


(Mit freundlicher Genehmigung des Haigerer Kuriers. Text und Fotos: Ute Jung.)

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 11. April 2012 21:21