"Offene Türen" überzeugen mit originellen Projekten

Wie schwer es für Senioren sein kann, Kleingeld aus dem Portemonnaie zu klauben, zeigte eindrucksvoll die Alterssimulation.Haiger, 21.11.2011.
"Mann, ist das schwierig", stöhnt die Schülerin, die gerade versucht, mit Bauarbeiter-Handschuhen, Ohrenschützern und Schutzbrille Kleingeld aus einer Geldbörse zu holen. Sie und ihre Altersgenossen werden vielleicht künftig mehr Mitgefühl mit älteren Menschen haben, die selbst bei alltäglichen Aktionen, wie dem Bezahlen im Supermarkt, in Schwierigkeiten geraten. Die so genannte "Alterssimulation" gehörte zu den interessantesten Aspekten beim "Tag der offenen Tür" der Haigerer Johann-Textor-Schule. Hier erlebten Testpersonen, wie sich mancher ältere Mensch bei den Aufgabenstellungen des Alltags fühlt. Schon das Anzünden einer Kerze gestaltete sich äußerst schwierig, und die beteiligten Schüler erhielten einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie es sich mit 80 oder noch mehr Jahren lebt.

Vorgestellt wurde das Projekt durch den Wahlpflicht-Kurs "Lebenswelten erkunden", den Lehrerin Sabine Graben leitet. Die 16 Schüler des Kurses sind in drei Gruppenaufgeteilt und besuchen abwechselnd wöchentlich die Bewohner des Altersheimes Ströhmann. "Ich hoffe, dass es zu einer Patenschaft zwischen Schülern und Senioren kommt", erklärte Sabine Graben. Die "Alterssimulation" war ein Anziehungspunkt für die Besucher der Schule.

Thomas Müller hilft seinem Sohn Josia beim Herstellen einer Christbaumkugel mit dem Bunsenbrenner.Auch die Sozialarbeit stellte sich in der Aula vor. Dieses Angebot wird von der Initiative "Sozialarbeit an Schulen” des Lahn-Dill-Kreises in Zusammenarbeit mit der Caritas und der Schule für Erziehungshilfe organisiert und findet in Kooperation mit der Jugendarbeit im Haigerer "Paju" am Paradeplatz statt. Ab dem 1. Dezember wird die Sozialarbeiterin Veronika Metz diese wichtige Arbeit von Nicole Kohl-Massey übernehmen, die seit 2007 an der Schule tätig war.

Die Methodenarbeit der Schule wurde ebenso vorgestellt wie das Projekt "Nasco", durch das eine Schule in Ghana unterstützt wird.
In der Mediothek präsentierten die "Lesefüchse" ein Hörspiel, das sich mit dem Leben von "Bilbo, dem Hobbit" befasst. Die düstere Atmosphäre von Bilbos Wanderungen wurde hierbei durch das Plätschern des Regens und entsprechende Hintergrundmusik gut wiedergegeben.

Der Keramikkurs der neunten Jahrgangsstufe von Lehrer Hilmar Koch stellte einen überdimensionalen Rechenschieber mit Keramikkugeln her. Dass ein Bunsenbrenner auch zum Basteln von Christbaumkugeln zu benutzen ist, wurde in den Chemieräumen deutlich, wo es bei Versuchen mächtig stank und rauchte. In den Physikräumen wurde die Schallgeschwindigkeit gemessen, während der Wahlpflicht-Kurs "Handlungsorientierte Biologie" das Innenleben eines "Insektenhotels" zeigte.

Die Jahrgangsstufe sechs hatte sich mit dem Thema "Medien" auseinander gesetzt und präsentierte ihre Ergebnisse. Wie Buchdruck in früheren Zeiten funktionierte, zeigte eindrucksvoll die Gruppe der Schüler mit "Lese-Rechtschreib-Schwäche" (LRS). Selbst erstellte Comics, berühmte Pressefotos und Interviews, die die Schüler selbstständig geführt hatten, waren weitere Aspekte des Projekts.

Treppenhaus-MusikAuch ein spannendes Theaterstück wurde im Förderstufengebäude aufgeführt, dessen Treppenhaus bei musikalischen Vorträgen wie immer dicht umlagert war. Für das leibliche Wohl wurde in "Textoria" und Mensa gesorgt. So konnten sich die Besucher in einladender Atmosphäre rundum wohl fühlen.
(Mit freundlicher Genehmigung des Haigerer Kuriers, 21.11.2011, Text und Fotos: uju/s.)

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 11. April 2012 21:21