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"Die Schüler sind die Gewinner" |
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Haiger, 31.08.2007.
"Weil's einfach geil ist" - die 15-jährige Sabrina hat keine Probleme zu erklären, warum ihr der Schülertreff an der Haigerer Johann-Textor-Schule gut gefällt: "Hier kann man alles machen, was Spaß macht", ergänzt Ioannis und nennt schmunzelnd einen weiteren Vorteil des Raums im Keller des Hauptschulgebäudes. "Vor allem sind hier keine Lehrer!"
Auch Michaela und David kommen regelmäßig in den "Treff", um
Tischfußball zu spielen, im Internet zu surfen, Hausaufgaben zu machen
oder einfach nur zu Quatschen. Uns gefällt’s gut, wir haben den Raum
schließlich auch selbst ausgebaut und gestrichen", berichtet David
stolz.
Der offene Schülertreff ist zentrales Element des Projekts
"Sozialarbeit an Schulen", das vor zwei Jahren auf Initiative des
Lahn-Dill-Kreises aus der Taufe gehoben wurde. Gestern zogen die
Beteiligten Zwischenbilanz, und die hätte positiver kaum ausfallen
können. "Es war ein Sprung ins kalte Wasser, aber wir sind total
begeistert. Das Projekt in Haiger funktioniert sehr, sehr gut und ist
zu einem Selbstläufer geworden", bilanzierte Schuldezernent Ro-land
Wegricht (SPD): "Die Kreispolitiker sind begeistert."
Der Dank galt allen Beteiligten vor allem der Sozialpädagogin Nicole
Kohl-Massey von der Caritas, die das Projekt gestaltet und jungen
Menschen "Rat und Hilfe beim Weg ins Erwachsenwerden geben soll", wie
es Wegricht ausdrückte. Der Kreisbeigeordnete berichtete, dass derzeit
in sieben Schulen Sozialarbeit geleistet wird, weitere Interessenten
aber Schlange stehen. Das Haigerer Projekt sei besonders sinnvoll, weil
hier in Kürze die schulische Sozialarbeit und die städtische
Jugendpflege verknüpft würden, da die Caritas auch die kommunale
Jugendarbeit übernehme. "Diese Kooperation ist sehr sinnvoll", erklärte
Wegricht.
Das bestätigte auch Bürgermeister Dr. Gerhard Zoubek. "Das Geld für die
Sozialarbeit ist außerordentlich gut angelegt", lobte er die
Sozialpädagogen. Wenn die Caritas auch die städtische Jugendarbeit
übernehme, könnten Erfahrungen aus der Johann-Textor-Schule dort
einfließen. "Das ist eine klassische Win-Win-Situation", sagte Dr.
Zoubek: "Und die größten Gewinner sind die Schüler." Die Stadt sehe
sich in der Pflicht, sich finanziell an dem Schulprojekt zu beteiligen.
Dieses solle vor allem versuchen, "bei Problemgruppen einzugreifen". So
habe man in Haiger teilweise mit rechtsextremistischen Tendenzen zu
kämpfen. Offenkundig seien die jungen Leute für solche Themen
empfänglich. Um sie müsse sich an der Schule ("Dort kann man sie am
ehesten antreffen") gekümmert werden. Ebenfalls gehe es darum, Kinder
aus unterschiedlichen Kulturkreisen zu integrieren und für sie
spezielle Programme zu bieten. Aus diesem Grund engagiere sich die
Stadt auch an der Grundschule mit Sprachkursen und Hausaufgabenhilfe.
Nicole Kohl-Massey, die erst seit dem Frühjahr in Haiger tätig ist,
beschrieb ihre vielfältigen Aktionen, zu denen unter anderem eine gut
funktionierende Mädchengruppe mit rund zehn Teilnehmerinnen gehört, die
sich donnerstags regelmäßig trifft. Reiten, Basteln oder der Besuch von
Musikveranstaltungen gehören ebenso zum Programm wie die Teilnahme am
Mädchen-Aktionstag. Eine Jungengruppe soll gegründet werden.
Anlaufstation für die Heranwachsenden ist der "Schülertreff" im
Hauptschulgebäude, wo sich zu den Pausen oder auch nach dem Unterricht
zahlreiche Teenager einfinden. Von 9 bis 16 Uhr ist der "Treff"
geöffnet, und die Schüler kommen freiwillig, wie die Sozialpädagogin
nicht ohne Stolz verrät. Beobachtet man das Gewusel zu Pausenzeiten, so
wird klar, dass diese Anlaufstation mit kleiner Küche, PC, gemütlichem
Sofa und Tischfußball von den Schülern genutzt wird, um dem
"offiziellen" Schulbetrieb kurzfristig mal "adé" zu sagen.
Nicole Kohl-Massey wird von den Teenagern anerkannt, um Rat gefragt und
bei Problemen als Schlichterin eingesetzt. Ihren großen Vorteil sieht
sie darin, "dass ich keine Noten gebe - das erleichtert die Situation".
Die gelernte Diplom-Pädagogin freut sich über eine gute Kooperation mit
den Textor-Lehrern und will künftig noch mehr auf Haigerer Vereine,
Verbände und Kirchen zugehen, um die Zusammenarbeit anzubieten.
Auch Bernd Blecker, Bereichsleiter der Caritas, und Schulleiter Dr.
Gerald Lohwasser zogen eine positive Bilanz der Zusammenarbeit: "In
Haiger greifen viele Zahnräder ineinander. Die Arbeit an der
Textorschule hat uns einen Überblick über die Stadt vermittelt, der uns
bei der kommunalen Jugendarbeit helfen wird", sagte Blecker.
(Haiger Kurier , 31.08.2007, Text und Foto: rst.)
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