Ein "unvergessliches Erlebnis"

Haiger, 08.12.2010.

In acht Tagen kann man sich ganz schön aneinander gewöhnen. Das wurde beim Schüleraustausch in Haiger deutlich. Acht Tage lang waren 25 elsässische Teenager vom "College Georges Martelot" in Orbey zum Gegenbesuch bei ihren deutschen Partnern von der Johann-Textor Schule - und als es ans Abschiednehmen ging, da kullerte so manche Träne.

Schon zu Beginn des Treffens wurde deutlich, dass die Teenager sofort wieder an den herzlichen und freundschaftlichen Umgang miteinander anknüpfen konnten, der sich beim Besuch der Haigerer in Orbey entwickelt hatte. Die französischen Schüler stürmten aus dem Bus und fielen ihren deutschen Partnern um den Hals.
In Haiger erwartete sie ein vielseitiges Programm. Dazu gehörten ein erlebnispädagogisches Seminar und Ausflüge in Städte der Region. Auf Spuren der heiligen Elisabeth ging es durch Marburg - das karitative Engagement der Heiligen in jungen Jahren beeindruckt auch noch heute. In Köln lagen die Schwerpunkte in der Verbundenheit der beiden Kulturen rechts und links des Rheins, der römischen Vergangenheit und Parallelen in der mittelalterlichen Dombaukunst. In Wetzlar wurde durch die Führung von Madame Basel der historische Hintergrund zu Goethes Werther zu neuem Leben erweckt.

Die Mädchen und Jungen trafen sich in der Freizeit zum gemeinsamen Schwimmbadbesuch, verbrachten ein ganzes langes Wochenende in den deutschen Gastfamilien und organisierten gemeinsam eine Abschlussfeier, die alle sichtlich genossen.

"Vieles, was die französischen Schiller vielleicht schon gehört, aber so bisher noch nicht kennen gelernt hatten, wurde zu lebendiger Erfahrung", fasste Ralf Kaczerowski, einer der verantwortlichen JTS-Lehrer, zusammen. So fiel den jungen Franzosen auf, dass man zum Frühstück in den deutschen Familien durchaus auch mal Wurst und Schinken isst. In deutschen Unterrichtsstunden sei es außerdem unruhiger als zuhause im Elsass, war von den Franzosen zu hören. Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern sei in Deutschland dafür erkennbar enger und persönlicher. Ein weiterer Eindruck der Gäste: Die Deutschen scheinen andere Schwerpunkte im Leben zu setzen - die Häuser sind größer und schöner, aber es gibt nur eine warme Mahlzeit am Tag.

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"Uns lag die Begegnung gerade mit diesen Jugendlichen sehr am Herzen", erklärte die Pädagogische Leiterin, Anette Fritsch während der Abschlussfeier in der Aula der Johann-Textor-Schule. Die elsässische Region insbesondere um Orbey habe erheblich unter den Repressalien der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg gelitten, erläuterte die Vertreterin der Schulleitung, die den Austausch initiiert hatte. Ihr ausdrücklicher Dank galt den betreuenden Kollegen aus Haiger, Ralf Kaczerowski und Katrin Ahrens, sowie den deutschen Gasteltern, "die ihr Haus den französischen Partnern geöffnet und dafür gesorgt haben, dass die Gäste sich rundum wohl fühlen konnten". Der Besuch sei so zu einem unvergesslichen Erlebnis geworden. Das muss auch Marc Bolzer, der den Austausch von französischer Seite aus begleitete, im Sinn gehabt haben, als er beim Abschied erklärte: "Es wird sich in Orbey herumsprechen, wie gut man es in Haiger hat."

Passend zum Abschied hatten die Schüler als letztes Lied "Alors on danse - Also lasst uns tanzen" ausgewählt. Und so war der Abschied am Morgen voller Tränen. Nur widerwillig trennten sich die Haigerer und ihre Gäste. Am Ende war von vielen zu hören, dass schon private Besuche im Urlaub geplant werden.

(Haigerer Kurier, 08.12.2010, Text: lg/ka.)