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Interview mit der Schulseelsorgerin der JTS

Haiger, 20.09.2019.

Ein Interview mit Sabine Graben, Lehrerin für Deutsch und evangelische Religion, über ihre Arbeit als Schulseelsorgerin an der JTS.
 

Schulseelsorgerin Sabine GrabenWas genau ist „Schulseelsorge“? Worum geht es?
„Schulseelsorge“ ist ein Beratungsangebot für alle Mitglieder der Schulgemeinde, Schüler, Lehrer und alle anderen am Schulleben Beteiligten. Sie bekommen in einem vertraulichen Rahmen die Gelegenheit, mit mir über ihre Sorgen und Nöte zu reden. Meist geht es dabei um private Probleme, z.B. in der Familie oder um Freundschaften, die zerbrechen. Schulische Aspekte spielen dagegen kaum eine Rolle. Wenn es um Schule geht, dann meist nur im Hinblick auf das soziale Miteinander, nicht um Noten oder Unterricht.

Wie kann man sie erreichen?
Indem man mich anspricht oder mir eine Email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schreibt. Gemeinsam vereinbaren wir dann einen Gesprächstermin. Lehrer können Schülern den Besuch bei mir empfehlen, allerdings ist die Teilnahme freiwillig.

Wo finden die Gespräche statt?
Mit D23 steht für die Schulseelsorge ein eigener Raum zur Verfügung. Er befindet sich über der Schulküche, neben dem Raum der Stille. Er soll einen geschützten Rahmen für Gespräche bieten. Nichts, was in diesem Raum besprochen wird, dringt je nach außen. Als Schulseelsorgerin habe ich eine strenge Schweigepflicht. Der Raum ist gemütlich gestaltet und man findet dort auch Taschentücher und Süßigkeiten als kleine Helfer, um sich von seiner seelischen Last zu befreien.

Wieviel Zeit steht pro Woche für Gespräche zur Verfügung?
Während der Unterrichtszeit sind hierfür drei Stunden pro Woche vorgesehen. Allerdings biete ich auch gerne Termine nachmittags nach der Schulzeit an.

Was gehört neben Gesprächen noch zu Ihren Aufgaben als Schulseelsorgerin?
Die Organisation von Schulgottesdiensten, die Betreuung sozialer Projekte wie z.B. das NASCO-Projekt zur Unterstützung einer Schule in Afrika oder das Projekt „Lebenswelten“, bei dem Schüler alten und kranken Menschen helfen. Der Religionskalender im Forum, an dem aktuelle religiöse Feiertage aus allen Weltreligionen erklärt werden, wird von mir gestaltet und ich leite den Fachbereich Religion an der JTS.

Warum machen Sie Schulseelsorge?  
Die soziale Arbeit an der JTS ist sehr wichtig und ich biete eine andere Form von Hilfe an, als man sie bei Vertrauenslehrern oder dem Beratungs- und Förderzentrum findet. Als man mir die Ausbildung zur Schulseelsorgerin vorgeschlagen hat, war ich sofort begeistert von der Idee.

Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit wichtig?
Wichtig ist mir, einen Ort anzubieten, wo Sorgen angstfrei ausgesprochen werden können. Gehandelt wird nur, wenn Hilfe gewünscht wird. Diese kann in der Anleitung zur Selbsthilfe, in Gesprächen mit Eltern, aber auch in der Vermittlung geeigneter Angebote bestehen.

Wie werden Sie im Schulalltag in Ihrer Rolle als Schulseelsorgerin wahrgenommen?
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal werde ich direkt angesprochen und Schüler erzählen mir, was nach einem Gespräch besser geworden ist oder geholfen hat. Andere halten aber auch bewusst Abstand zu mir, weil sie nicht wollen, dass bekannt wird, dass wir miteinander gesprochen haben.

Wie wird man Schulseelsorgerin? Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen?
Hierzu wird eine einjährige berufsbegleitende Ausbildung angeboten, z.B. bei der evangelischen Kirche Hessen-Nassau. Um teilnehmen zu können, muss man Religionslehrer sein. Wichtig sind vor allem Empathie und Verschwiegenheit.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Schulseelsorge an der JTS?
Alles soll so bleiben wie es ist! Meine Arbeit wird vom Kollegium und der Schulleitung sehr wertschätzend aufgenommen und die Arbeitsbedingungen sind ideal.

Vielen Dank für das Gespräch.
 

Das Interview führte Herr Johannes Linsel.

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