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Ein klassisches Eigentor?

Haiger/Dillenburg, 10.05.2010.

Im Fußball würde man vermutlich von einem "Eigentor" reden. Die Vorwürfe, die Martin Henrich - Direktor der Dillenburger Wilhelm-von-Oranien-Schule - gegen die Haigerer Textorschule und die Kaufmännischen Schulen Dillenburg erhoben hat, stoßen bei den derart "Angeschossenen" auf Unverständnis. Sowohl Dr. Gerald Lohwasser (Leiter der JTS) als auch sein Kollege Willi Eckert von den Kaufmännischen Schulen kritisierten gestern die Aussagen des Kollegen, der unter anderem der Johann-Textor-Schule vorgeworfen hatte, sie habe ihren gymnasialen Zweig in den letzten Jahren zu massiv ausgebaut (wir berichteten). Gleichzeitig erklärte der "Direx", viele Schüler würden lieber von der Textorschule auf das berufliche Gymnasium in Dillenburg wechseln, weil man glaube, "dort sei das Abitur einfacher zu bekommen". "Das Berufliche Gymnasium misst mit anderer Elle", hatte Henrich erklärt.

Seine Kollegen zeigten sich angesichts dieses Rundumschlags verwundert. Dr. Gerald Lohwasser gab sich jedoch im Gespräch mit unserer Zeitung gelassen. Verständlicherweise: Kann er doch die Kritik aus Dillenburg durchaus als Lob für die Arbeit "seiner" Bildungseinrichtung werten. "Es ehrt uns und bestärkt uns in unserer pädagogischen Linie, wenn wir einen derartigen Zuspruch im gymnasialen Bereich verzeichnen", sagte Dr. Lohwasser. Die JTS verstehe sich als Schule für alle Haigerer Schüler. "Wir sind schließlich eine Gesamtschule. Ich werde keine Schüler aus Haiger ablehnen!", stellte der "Chef" fest und sprach damit ein wichtiges Thema an.Dr. Gerald Lohwasser freut sich, dass die Haigerer Johann-Textor-Schule großen Zuspruch im gymnasialen Bereich hat.

Wenn wirklich - wie offenbar von Henrich gewünscht - nur zwei Gymnasialklassen in Haiger eingerichtet werden, wer entscheidet dann, welcher Schüler hier unterkommt und wer nach Dillenburg wechseln muss? Welche Kriterien werden in einem solchen Falle angelegt? Und schließlich: Welche Familie, ist die erste, die den Klageweg bei einem Verwaltungsgericht bestreitet, weil ihr Kind keinen Platz an seiner Wunschschule finden konnte?

Lohwasser bestätigte, das es vor etwa 12 Jahren Absprachen über die Anzahl der Gymnasialklassen in Haigerer gegeben habe. "Inzwischen hat sich die schulische Welt nicht unerheblich verändert", sagte der Direktor und erinnerte an G8 und G9 im gymnasialen Bildungsgang. Lohwasser: "Nach meiner Auffassung haben Eltern das Recht, sich zwischen diesen beiden Möglichkeiten zu entscheiden. Wir als kooperative Gesamtschule bieten G9 an und haben entsprechenden Zulauf." [...]

Der Schulelternbeiratsvorsitzende Hartmut Jaeger habe ihm gegenüber nochmals bestätigt,Seine Äußerungen stießen bei den Kollegen auf Unverständnis: WvO-Schulleiter Martin Henrich dass die Elternschaft "das pädagogische Konzept der Schule unterstützt und an einer Stärkung der Schule interessiert ist". "Aus meiner Sicht wird bei der von Herrn Henrich entfachten öffentlichen Diskussion deutlich, dass immer dann, wenn Probleme erkennbar sind, man administrative Maßnahmen, ein Eingreifen von oben, zu seinen Gunsten erwartet", schloss Lohwasser: "Ob dies der richtige Weg ist, möchte ich dahingestellt sein lassen." In der Tat hatte das Staatliche Schulamt in Weilburg in der vergangenen Woche erklärt, es könne "keinen Konflikt erkennen". Dillenburg biete fünf und Haiger vier Gymnasialklassen an. Für das Schulamt gebe es "keinen Grund zu intervenieren". [...]

Auch im Internet wird übrigens lebhaft über die Vorwürfe der WvO-Schulleitung diskutiert. Auf der von unserer Redaktion eingerichteten Seite "Haigerer Kurier" des Forums "wer-kennt-wen" meldeten sich am Wochenende zahlreiche Eltern zu Wort. Die Debatte wird fortgesetzt.

(Mit freundlicher Genehmigung des Haigerer Kuriers, Text: Ralf Triesch.)

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 06. Juni 2012 00:35

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