StartArchivArchiv 2025Einblicke in das Leben eines Transplantationspatienten

Einblicke in das Leben eines Transplantationspatienten

Haiger, 09.05.2025

Im Rahmen des Ethikunterrichts hatte der 10er-Kurs von Frau Pulfrich am 24. April Besuch von Thilo Becker. Der Weidelbacher erzählte den Schülerinnen und Schülern von seiner Lebertransplantation. Die Schülerinnen und Schüler des 10er-Ethikkurses der JTS Haiger beschäftigen sich in ihrem Unterricht aktuell mit den ethischen Fragen der modernen Medizin. „Bei der Vorbereitung der Unterrichtsreihe kam mir direkt Thilo in den Sinn,“ so Pulfrich. „Er war auch sofort bereit, sich in einer Doppelstunde den Fragen meiner Gruppe zu stellen.“

Nach einem Einführungsfilm über verschiedene Lebererkrankungen, der Feststellung der Indikation zu einer Organtransplantation und den Ablauf einer Lebertransplantation stellte sich Thilo Becker erst einmal vor. Der 56-jährige Weidelbacher erzählte den Jugendlichen seine Transplantationsgeschichte. „Als Thilo von den beiden Malen erzählte, in denen er nach Essen fuhr und dort dann gesagt bekam, dass die Leber nicht zu ihm passt, beziehungsweise nicht zur Transplantation geeignet ist, sah man viele betroffene Gesichter,“ so Pulfrich.

Die meisten Menschen denken bei Lebererkrankten direkt an Alkoholiker. Daher legte Becker bei seinen Ausführungen großen Wert darauf, den Schülern zu vermitteln, dass es eine Vielzahl an Lebererkrankungen gibt. Er selbst hatte eine eher seltene Form und laut seinem Arzt noch dazu eine der fiesesten. Mit der Transplantation endete für ihn ein 14-jähriger Leidensweg. Ein Weg, gespickt mit körperlichen Schmerzen, einer enormen psychischen Belastung, mehr als 50 Klinikaufenthalten, einer Vielzahl von Krankheitsbildern, ebenso vielen Eingriffen, Therapien, Vollnarkosen und permanenter Medikamentierung. So war es auch kein Wunder, dass er bei der Erzählung vom 19. August 2018, dem Tag der Transplantation, emotional wurde. „Ich empfinde eine sehr sehr große Dankbarkeit, dem unbekannten Spender gegenüber“, so Becker. Als Anschauungsmaterial hatte er Bilder der Narbe kurz nach der Transplantation dabei.

Anschließend konnten die Schülerinnen und Schüler noch ihre vorbereiteten Fragen stellen. Hier musste Becker unter anderem beantworten, wie er sich nach der Operation fühlte, wie seine Familie mit seiner Erkrankung umgegangen ist und ob er oft daran denke, ein „fremdes“ Organ in sich zu haben. „Ich habe gestaunt über die tollen Fragen. Die Schüler hatten sich hervorragend vorbereitet und es hat mir viel Freude bereitet, zur Aufklärung und zur Stellungnahme einer Organspende beizutragen,“ so Becker abschließend. „Vielleicht tragen ja demnächst noch mehr Personen einen Organspendeausweis mit sich rum.“

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