Haiger, 26.05.2025
Für die Jahrgänge 7 und 8 der JTS stand in diesem Monat das Thema "Suchtprävention" auf dem Programm. Unter Leitung von Erziehungswissenschaftlerinnen der Suchthilfe Wetzlar Fabienne Hardt und Tatjana Arnold nahm dabei jede Klasse an einem Projekttag teil. Thematischer Schwerpunkt im Jahrgang 8 war das Thema Rauchen, mit besonderem Fokus auf den Trend E-Zigaretten, den sogenannten „Vapes“.
Zum Einstieg in den Workshop sollten die Schülerinnen und Schüler zunächst die Zahl der Abhängigen von bestimmten Süchten schätzen. Dabei kamen spannende Ergebnisse zutage: Spitzenreiter in Deutschland ist die Tabaksucht mit 4,4 Millionen Abhängigen, gefolgt von Alkohol mit 1,6 Millionen Menschen. Anzumerken ist hierbei, dass der Alkoholkonsum in der Coronazeit angestiegen ist.
Von illegalen Drogen sind ca. 600.000 Menschen abhängig, 309.000 davon von Cannabis. Drastisch angestiegen ist die Zahl der Glücksspielsüchtigen, ca. 1,3 Millionen Menschen sind davon betroffen.
Im Anschluss erhielten die Schülerinnen und Schüler kleine Säckchen mit unterschiedlichen Suchtmitteln und sollten diese nach stoff- und verhaltensgebundenen Süchten einordnen. Ergänzt wurde das Ganze durch eine Vielzahl interessanter Informationen. So erfuhren die Jugendlichen, dass es im Lahn-Dill-Kreis bereits 4 Todesfälle im Zusammenhang mit sog. „Ballerliquids“, also Vapes mit illegalen Substanzen gegeben hat. Das Hauptproblem dieser verbotenen E-Zigaretten ist, dass der Konsument nicht genau erkennen kann, welche Substanzen er eigentlich konsumiert. Herzrasen, Krämpfe, Ohnmacht und psychische Probleme wie Depressionen oder Halluzinationen können weitere Folgen sein.
Nach der Pause konnten die Achtklässler in einem Quiz testen, wie gut sie über Suchtmittel Bescheid wissen. Angeboten wurden Fragen aus den Kategorien „Gesundheit“, „Rechtliches“, „Jugendschutz“, „Allgemeines“ und „Gefahren“. So wurde beispielsweise gefragt, ob Raucher oder Nichtraucher schneller frieren. Die richtige Antwort lautete „Raucher“, da Rauchen eine Verengung der Blutgefäße fördert.
Eine kurze Dokumentation führte den Jugendlichen weitere interessante Fakten vor Augen. So hat sich laut einer Untersuchung der Berliner Charité seit 2021 der Anteil der rauchenden Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren verdoppelt. Jedes vierte Schulkind in Deutschland machte bereits Erfahrungen im Umgang mit Vapes. In einem Reflexionsgespräch konnten die Schülerinnen und Schüler dann ihre Gedanken dazu äußern. Viele zeigten sich betroffen, wie skrupellos chinesische Firmen aus Profitgier handeln und welche Umweltschäden der Konsum von E-Zigaretten verursacht.
„Nuggets“, ein kurzer Zeichentrickfilm diente danach als Anlass, um den Begriff „Sucht“ näher zu definieren. Hierbei wurde schnell klar, dass sich eine Sucht schleichend entwickelt, wobei die Toleranzgrenze immer weiter steigt, während die Zufriedenheit mit dem Konsum immer kürzer anhält. In Gruppenarbeit sortierten die Textorianer danach die einzelnen Phasen einer Sucht: Gebrauch, Genuss, risikoarmer Konsum, Gewohnheit, Missbrauch, riskanter Konsum und schließlich Abhängigkeit. Zum Abschluss gab es eine Feedback-Runde, in der viele Schülerinnen und Schüler betonten, es sei ein interessanter Einblick gewesen.
Der Jahrgang 7 beschäftigte sich mit dem Thema Alkohol. So erfuhren die Siebtklässler, dass man erst nach einer Stunde die höchste Alkoholkonzentration im Blut erreicht hat, dass 96% der mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingelieferten Jugendlichen Hochprozentiges getrunken hatten und dass die meisten Körperverletzungen, die zur Anzeige gebracht werden, unter Alkoholeinfluss passiert sind.
Anhand einer „Rauschbrille“ bekamen einige Freiwillige danach selbst die Folgen eines Rausches zu spüren. Die Brille simuliert die verzerrte Sichtwahrnehmung bei einem Alkoholpegel von etwa 1,3 Promille. Mit aufgesetzter Brille galt es, einen Hindernisparcours zu bewältigen und am Ende einen zugeworfenen Ball aufzufangen. Dies fiel allen Teilnehmer sichtlich schwer und viele waren erstaunt, wie stark Betrunkenheit die Sinne vernebelt. Im anschließenden Reflexionsgespräch wurde deutlich, dass so auch die Unfallgefahr ganz erheblich steigt.
Abgerundet wurden alle Workshops mit dem Hinweis auf das jederzeit kostenlose Beratungsangebot des Suchthilfezentrums Wetzlar. Bei den Schülerinnen und Schülern kamen die Workshops gut an: „Es war sehr interessant und man merkt erst jetzt, wie gefährlich Alkohol und Zigaretten sein können“, berichtet eine Schülerin.
