Haiger, 01.06.2026.
Mit einem Festakt wurde am Freitag, den 29. Mai, sowohl das 101jährige Jubiläum als auch die Einweihung der völlig neu gestalteten und renoviertender Räume im D- und E-Trakt gefeiert.
Auf die ungewöhnliche Jahreszahl ging der stellvertretende Schulleiter Matthias Deffner auch direkt in seiner Begrüßungsrede an die zahlreich erschienen Gäste ein. Das hundertjährige Jubiläum wurde nämlich keineswegs vergessen, sondern 2025 befand man sich in einer Umbauphase, in der soviel zu tun war, dass man sich dazu entschieden hat, mit dem Jubiläum zugleich auch eine Einweihungsfeier zu verbinden.
Seit Neuestem hat die Schule nämlich ein Lernatelier, in dem im Rahmen des Drehtürmodells besonders begabte Schülerinnen und Schüler gefördert werden können, einen Makerspace, in dem u.a. gelötet werden kann, ein Studio für Film- und Tonaufnahmen, mit der Möglichkeit, Inhalte im Internet zu streamen und einen neuen 3D-Druckraum. Zudem gibt es eine neue Mediothek und einen neu gestalteten Eingangsbereich.
„Tradition trifft Moderne“, das Motto passe besonders gut, da 100 Jahre sehr viele Erfahrungen und Erlebnisse mitgebracht hätten. Wichtig seien dabei immer Werte wie Respekt, Höflichkeit und soziale Verantwortung gewesen, für die die Schule stehe. Tradition habe die familiäre Atmosphäre: „Schülerinnen und Schüler werden bei uns nicht nur nach Noten beurteilt, sondern als Ganzes gesehen“, erklärte Deffner. Zugleich sei aber auch der Unterricht einem Wandel unterworfen, hin zu mehr Differenzierung, Individualisierung und Projektorientierung. „Notwendig ist, dass wir hier neu denken, Traditionen beibehalten, aber Ziele auf neuen Wegen erreichen“, betonte Deffner. Dank des Engagements des Kollegiums und durch die Unterstützung zahlreicher Kooperationspartner habe man dazu optimale Bedingungen.

Kerstin Weber, Leiterin der Schulabteilung des Lahn-Dill-Kreises, nannte die Johann-Textor-Schule eine „Schule in Haiger für Haiger“. Ihr Mann und ihre Kinder hätten die Schule besucht und sie stets in guter Erinnerung behalten, worüber sie sehr dankbar sei. In den letzten 20 Jahren habe der Lahn-Dill-Kreis rund 12 Millionen Euro investiert, 1,4 Millionen allein für die neuen Räumlichkeiten. „Wir bauen für die Menschen, die täglich hierherkommen. Sie sollen sich wertgeschätzt fühlen und eine gute Grundlage zum Lernen haben. Viele Menschen arbeiten mit großem Engagement daran, dass sich diese Schule weiterentwickelt“, betonte Weber.
Eine Schule mit so einer langen Geschichte dürfe sich auch gerne ein Jahr mehr Zeit für ein Jubiläum nehmen, erklärte die schulfachliche Aufsichtsbeamtin Nikola-Maria Schouler vom Staatlichen Schulamt in Weilburg und blickte dabei auf die Geschichte des Schulwesens in Haiger zurück, das seine Wurzeln in einer Knabenschule aus dem 16. Jahrhundert hat. Die Schule stehe für ein pädagogisches Versprechen, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt und sich fragt, wohin er sich entwickeln will. „Das macht eine gute Schule aus“, hob Schouler hervor. Tradition sei hier kein Stillstand.
Die neuen Räume seien ein Versprechen an die Schülerinnen und Schüler, dass Lernen heute praxisorientiert, digital und kreativ sei. „Makerspace und 3D-Druck zeigen, was Bildung leisten kann, hier trifft Theorie auf Praxis“, so Schouler weiter. Die Teilnahme am Programm „Leistung macht Schule“ (LemaS) passe hervorragend zu diesem Weg. Zudem habe Unterrichtsentwicklung eine lange Tradition an der Johann-Textor-Schule, was sich auch an der Berufsorientierung und der Förderung von Naturwissenschaften im Rahmen von MINT zeige. Den Schülerinnen und Schülern wünschte sie, dass sie das Angebot nutzen, um neue Talente zu entdecken.

Niklas Debus, Erster Stadtrat und Vertreter des Bürgermeisters, blickte auf seine eigene Zeit als Schüler an der Schule zurück. Besonders das familiäre Umfeld und die engagierten Lehrkräfte seien ihm in guter Erinnerung geblieben. „Bildung ist in Haiger keine reine Verwaltungsaufgabe, sondern Aufgabe der Stadtgesellschaft“, erklärte er und freute sich über die gute und enge Zusammenarbeit von Stadt und Schule. „Die Berufsbildungsmesse und SchulePlus zeigen eindrucksvoll die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis“, lobte er die schulische Arbeit.
„Die Anforderungen an Schule sind vielfältig geworden“, betonte der Vorsitzende des Schulelternbeirats Björn Lückhof. Dies brächte spannende Diskussionen hervor, beispielsweise über die Handynutzung. Das tolle AG-Angebot zeige, das es hier um mehr als nur bloße Wissensvermittlung gehe. Hier könnten Kinder Talente entdecken. „Ich bin begeistert“, freute sich Lückhof über das pädagogische Engagement. Besonderes Lob fand er für die Berufsorientierung, diese sei eine hervorragende Schnittstelle mit der Industrie. „Da würde ich selbst gerne noch einmal in die Schule gehen“, erklärte Lückhof.
Susanne Menges, Stadtarchivarin der Stadt Haiger, blickte auf die Geschichte der Schule und des Schulwesens in Haiger und den Namensgeber Johann Textor zurück. Sie fragte sich, was dem Namenspaten der Schule, ein studierter Jurist und Autor der „Nassauischen Chroniken“, der im 17. Jahrhundert lebte, wohl an der heutigen Schule aufgefallen wäre: die Begeisterung fürs Lernen. Mit zahlreichen alten Bildern erzählte sie unter Anderem von der Zerstörung des Schulgebäudes durch eine Fliegerbombe im Frühjahr 1945 und den Bauvorhaben am Ende der 1960er Jahre, die der Schule im Wesentlichen ihr heutiges Erscheinungsbild gaben. „Es ist eine tolle Sache, an diese Schule zu kommen. Lassen sie uns dafür sorgen, dass die nächsten Kapitel genauso spannend werden“, forderte sie die Gäste auf.
„Begabungen wollen anerkannt und Kinder gesehen werden. Deswegen ist der pädagogische Ansatz der Johann-Textor-Schule, das Kind als Mensch in den Mittelpunkt zu stellen, besonders wichtig“, erklärte die Referentin des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen, Dr. Claudia Lack in ihrem Impulsvortrag „Jedes Kind ein Talent: Begabungen erkennen, Potenziale entfalten, individuelle Lernwege begleiten“. „A rising tide lifts all ships“ mit diesem Zitat verdeutlichte sie, dass Begabungsförderung gelingt, wenn alle in der Schulgemeinde zusammenwirken. „Es ist eine Freude, zu sehen, wie dies hier vor Ort weiterentwickelt wird. Das ist gelebte Begabungs- und Begabtenförderung“, lobte sie die schulische Arbeit.

Für die musikalische Begleitung des Festakts sorgte die Schulband, die ihre Zuhörer mit Hits von Nirvana und Coldplay begeisterte. Im Anschluss an den offiziellen Teil konnten die neuen Räume besichtigt und Werke der Schülerinnen und Schüler bestaunt werden. Zu sehen gab es etwa handgemachte Stofftiere, einen Wetterballon und einen virtuellen Austausch mit einer Partnerschule in Kanada.